Alkoholabhängigkeit / abhängiges Konsumverhalten

  • Das Abhängigkeitssyndrom nach ICD-10 (F10.2) beschreibt eine Gruppe von Verhaltens-, kognitiven und körperlichen Phänomenen, die sich nach wiederholtem Substanzgebrauch entwickeln. Die Diagnose wird gestellt, wenn während der letzten 12 Monate drei oder mehr der folgenden Kriterien erfüllt waren:
    • ein starker Wunsch oder eine Art Zwang, Alkohol zu konsumieren (craving)
    • verminderte Kontrollfähigkeit bezüglich des Beginns, der Beendigung und der Menge des Konsums
    • ein körperliches Entzugssyndrom bei Beendigung oder Reduktion des Konsums
    • Nachweis einer Toleranz; um die ursprünglich durch niedrigere Dosen erreichten Wirkungen hervorzurufen, sind zunehmend höhere Dosen erforderlich; eindeutige Beispiele sind Tagesdosen, die bei Konsumenten ohne Toleranzentwicklung zu einer schweren Beeinträchtigung oder sogar zum Tode führen können
    • fortschreitende Vernachlässigung anderer Interessen zugunsten des Alkoholkonsums, erhöhter Zeitaufwand, um die Substanz zu beschaffen, zu konsumieren oder sich von den Folgen zu erholen
    • anhaltender Substanzkonsum trotz Nachweises eindeutig schädlicher Folgen, wie z.B. Leberschädigung durch exzessives Trinken, depressive Verstimmungen infolge starken Alkoholkonsums oder eine Verschlechterung der kognitiven Funktionen
  • Die Entwicklung einer Alkoholabhängigkeit mit allen Symptomen benötigt meist Jahre bis Jahrzehnte.
  • Bei einem erneuten Alkoholkonsum entwickeln sich die Symptome einer Abhängigkeit in sehr viel kürzerer Zeit, oft innerhalb von Tagen oder Wochen.
  • Neuere Untersuchungen schätzen die Zahl der Alkoholabhängigen in der Schweiz auf ca. 250'000.
  • Kinder sowie Partnerinnen und Partner leiden massiv unter der Alkoholabhängigkeit eines Familienmitglieds. Mögliche Folgen sind lang wirkende seelische und körperliche Leiden. Wichtig ist deshalb eine frühzeitige Miteinbeziehung von Familienangehörigen und die Bereitstellung entsprechender Angebote für Kinder, vgl. auch Co-Verhalten. Co-Verhalten von nahestehenden Personen kann die Abhängigkeit aufrechterhalten und verstärken.

Behandlung

  • Eine Alkoholabhängigkeit ist Erkrankung, die oftmals eine längerdauernde Behandlung erfordert.
  • Bei Vorliegen einer Alkoholabhängigkeit sollte nach der Motivierung des Patienten eine stationäre oder ambulante Entzugstherapie erfolgen (ev. mit nachfolgender Langzeittherapie).
  • Zu prüfen ist die Zusammenarbeit mit einer Suchtfachstelle sowie Angebote der Selbsthilfe als ergänzende Unterstützung.
  • Bei chronifizierter langandauernder Alkoholabhängigkeit, z.T. verbunden mit Randständigkeit, erweisen sich Behandlungsversuche mitunter als wenig erfolgreich. Mit dem Ziel einer Stabilisierung soll dem Patienten eine begleitende Betreuung angeboten werden. In Frage kommen zudem Angebote der Schadensminderung und/oder Trinken unter Kontrolle.