Alkoholdelir / Delirium tremens (F1x.04)

Das Delirium tremens ist eine potentiell lebensbedrohliche Komplikation beim abrupten Absetzen von Alkohol und eher selten im Rahmen einer medikamentös unterstützten Entzugsbehandlung. Es tritt häufiger bei nicht behandeltem vegetativem Entzugssyndrom auf, z.B. perioperativ, bei Hospitalisationen wegen anderer akuten Erkrankungen oder in der U-Haft.

Leitsymptome

  • Fehlende örtliche, situative und zeitliche Orientierung (wichtiges differentialdiagnostisches Kriterium zum schweren Entzugssyndrom)
  • Agitiertheit und motorische Unruhe
  • Grober Finger- und Händetremor
  • Hyperhidrosis (profundes Schwitzen)
  • Fieber, Tachykardie, Hypertonie
  • Wahnhaftes Erleben, überwiegend optische seltener akustische Halluzinationen, Suggestibilität, teils rasch wechselnde Bewusstseinszustände.

Nach dem Abklingen des Delirs (ca. 5 Tage) kann im Anschluss daran häufig ein organisches Psychosyndrom mit im Vordergrund stehenden Merkfähigkeits- und Konzentrationsstörungen, vegetative Labilität und verminderte Belastbarkeit beobachtet werden, was in seiner Ausprägung innert ein bis zwei Wochen allmählich abklingt.
Beim Vollbild eines Delirium tremens kann es neben der psychischen Entgleisung auch zu einer vegetativen Entgleisung des Herzkreislaufsystems kommen, in der weiteren Folge kann sich ein potentiell lebensbedrohliches Hirnödem bilden. Gehäuft treten Elektrolytentgleisungen aufgrund von Flüssigkeitsverlust (Schwitzen, Fieber) auf. Eine Diagnoseklärung durch Alkoholgabe (oral oder i.v.) ist kontraindiziert.

Therapie

  • Immer stationäre Behandlung, bei sehr schweren Verläufen intensivmedizinische Behandlung.
  • Behandlung mit Diazepam (Valium®) oder Clomethiazol (Distraneurin®) als Basistherapeutikum. Cave: Atemdepression.
  • Bei Halluzinationen zusätzlich Haloperidol (Haldol®), bei ausgeprägten vegetativen Störungen Clonidin.
  • Innert 2-4 Tagen ist in der Regel mit einer deutlichen und nachhaltigen Symptomreduktion zu rechnen, dann ausschleichendes Absetzen der Medikamente.
  • Grundsätzlich (parenterale) Thiamingabe (Vitamin B1) zur Prophylaxe einer Wernicke-Enzephalophatie.

 

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