Kontrolliertes Trinken

Definition / Hintergrund

„Kontrolliertes Trinken“ als Therapieziel bei der Behandlung von Personen mit Alkoholproblemen verbreitete sich in der Schweiz und in Deutschland erst ab Ende der 1980er Jahre (in den USA und Kanada bereits früher).

Kontrolliertes Trinken (KT) ist ein Konsumverhalten, bei dem die Person die Freiheit behält, in bestimmten Situationen auf den Alkoholkonsum zu verzichten und in zuvor festgelegten Situationen im zuvor definierten Umfang trinken zu können (Festlegen eines Trinkplans und Trinkregeln inkl. Trinkmenge und Rahmenbedingungen wie Ort und Zeit). Sinnvoll ist es, in einem solchen Konsumplan wochenweise 3 Ziele festzulegen:

  • Anzahl alkoholfreier Tage
  • Maximale Konsummenge an Trinktagen
  • Maximaler Gesamtkonsum in der ganzen Woche

Mit der Option „kontrolliertes Trinken“ können auch bisher nicht erreichte Personen angesprochen werden, insbesondere jene, die aktuell kein Abstinenzziel verfolgen, die – begrenzt – weiter trinken wollen oder für die eine Reduktion im Gegensatz zur Abstinenz ein bevorzugtes Ziel ist, welches leichter erreichbar scheint (KT kann somit auch ein Zwischenziel auf dem Weg zur Abstinenz darstellen).

Der Betroffene kann sein Trinkziel selbst wählen, was für die Veränderungsmotivation grundsätzlich förderlich ist. Hier bietet sich eine konstruktive Zusammenarbeit mit den Suchtfachstellen oder ausgebildeten Trainern an, welche die KT-Programme i.d.R. seit Jahren aufgrund der Nachfrage des Klientels in ihr Angebot integriert haben. Die Beratung und Begleitung sollten über einen längeren Zeitraum gehen und erfordert eine gute Dokumentation des Trinkverhaltens seitens des Betroffenen.

Anhand einer Indikation (nach definierten Standards) wird die Eignung für ein KT-Programm festgestellt. In den folgenden Fällen ist i.d.R. allerdings eine Abstinenz dem kontrollierten Trinken als Behandlungsziel vorzuziehen:

  • Unfähigkeit, realistische Ziele zu erreichen und somit Unmöglichkeit, mit dem Therapeuten festgelegte Wochenpläne einzuhalten
  • Bestehende Abstinenz, respektive Wunsch abstinent zu leben
  • Frauen, welche eine Schwangerschaft planen oder bereits schwanger sind; zudem Frauen, die stillen
  • Betroffene mit schweren Begleiterkrankungen (z.B. Organschädigungen, insbesondere mit kognitiven und mnestischen Störungen)
  • Betroffene, welche Medikamente einnehmen, die sich mit Alkohol nicht vertragen
  • Betroffene mit abstinenzorientierten Auflagen (z.B. FiaZ siehe Strassenverkehr)

In der Schweiz gibt es verschiedene Angebote zum Kontrollierten Trinken. Die Akzeptanz ist jedoch in ambulanten oder gemischten Einrichtungen höher als in stationären:

  • Kontrolliertes Trinken nach dem Modell von Prof. Körkel: Das Erlernen des kontrollierten Trinkens erfolgt anhand eines 10-Schritte-Programms (z.B. Bilanzierung des eigenen Alkoholkonsums; Strategien zum Erreichen der festgelegten Ziele; etc.)
  • Angeboten werden ambulante Einzel- und Gruppenprogramme sowie das 10-Schritte-Selbstlernprogramm; vgl. www.kontrolliertestrinken.de (in der Schweiz gibt es mittlerweile viele ausgebildete KT-Trainer, die auf der Homepage aufgeführt sind)
  • Brügger Modell nach Luc Isebaert
  • Programm Alcochoix+ in der Romandie, vgl. www.alcochoix.ch
  • Auf www.definiertestrinken.ch befindet sich ein Programm zum definierten Trinken mit praktischen Hilfsmitteln

Trinken unter Kontrolle

Sowohl im ambulanten als auch im stationären Bereich kommt in den letzten Jahren vermehrt der Ansatz „Trinken unter Kontrolle“ zum Einsatz. Dabei wird festgelegt, welche alkoholischen Getränke, in welchen Mengen, an welchen Orten, zu welchen Zeiten gegebenenfalls im Beisein von Fachpersonen unter Einhaltung bestimmter Verhaltensregeln konsumiert werden dürfen. Ziel ist die Schadensbegrenzung sowie eine allfällige Motivierung zur Verhaltensänderung.

Im ambulanten Bereich sind dies Einrichtungen, in denen Alkoholabhängige unter Einhaltung von bestimmten Regeln (kein Schnaps, keine Gewalt, etc.) Alkohol konsumieren.

Im stationären Bereich wird versucht, über die Reglementierung des Alkoholkonsums (z. B. kontingentierte Abgabe zu bestimmten Zeiten) das Einschmuggeln von Alkohol und Trinkexzesse zu vermeiden (z.B. Suneboge, ZH; Schloss Herdern TG; Sonnenburg, Weinfelden TG; Hospiz le Pré-aux-Boeufs, Sonvilier BE).

Vgl. auch detailliertere Informationen


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