Baclofen (Lioresal®)

Baclofen ist ein GABA B-Rezeptor-Agonist mit geringem hepatischen Metabolismus. Zugelassen ist Baclofen für die Behandlung von muskulärer Spastizität bei Multipler Sklerose, aber nicht für die Indikation Alkoholabhängigkeit.

Wenn das Medikament dennoch unter Alkoholabhängigen populär geworden ist, dann wegen des französischen Arztes Olivier Ameisen, der selbst alkoholkrank war. Durch Zufall erfuhr er, dass das Mittel Baclofen das Verlangen, Alkohol zu trinken, mindern kann. Nach eigenen Recherchen beschloss er 2004, das Medikament selbst einzunehmen. Die Dosierung und seinen Zustand protokollierte Ameisen dabei täglich. Bei einer Dosis von 270 mg verspürte er kein Verlangen mehr nach Alkohol. Diese Menge liegt allerdings deutlich über der vom Hersteller empfohlenen Höchstdosis von 80 mg / Tag. Die Eigenbehandlung führte bei Herrn Ameisen zu einer weitgehend stabilen Alkoholabstinenz. Gelegentlich trinke er Alkohol in geringen Mengen.

Wichtigste Nebenwirkungen sind:

  • sehr häufig:
    • Sedierung und Schläfrigkeit (10,2%)
    • Übelkeit (10,9%)
  • häufig:
    • Benommenheit, Mattigkeit, Schwindel, Kopfschmerzen, Schlaflosigkeit, Ataxie,
    • Tremor, Mundtrockenheit, Magen-Darmstörungen, Brechreiz, Erbrechen,
    • Verstopfung, Diarrhö

Eine Herabsetzung der Krampfschwelle und Anfälle sind insbesondere bei Epilepsiepatienten möglich.

Während der Behandlung mit Baclofen kann die Fähigkeit zur aktiven Teilnahme am Strassenverkehr oder zum Bedienen von Maschinen erheblich beeinträchtigt sein.

Bisher wurden kleinere Studien durchgeführt mit geringen Fallzahlen und überwiegend mit der vom Hersteller empfohlenen Tageshöchstdosis von 80mg. Zudem liegen einige Case-Reports vor. Für einen Wirksamkeitsbeleg sind jedoch methodisch gut angelegte Studien mit höheren Fallzahlen erforderlich.

Diese Behandlungsoption wird nach wie vor kontrovers diskutiert. Sollte diese Medikation dennoch angewendet werden, handelt es sich um eine Off-Label-Use Behandlung. Eine schriftliche Aufklärung und unterschriebene Einverständniserklärung wird deshalb dringlich empfohlen.

Kosten (werden in der Regel nicht von der Krankenversicherung übernommen). Tagestherapiekosten von 2.90 CHF bei vom Hersteller empfohlener Höchstdosis von 80 mg (Stand 03/12).

 

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