Chronischer Verlauf

  • Die Zusammenarbeit mit abhängigkeitserkrankten Betroffenen erstreckt sich oft über viele Jahre, vor allem bei Alkoholproblemen gehen Phasen mit unterschiedlichen Konsummustern ineinander über (Abstinenz, problematischer Alkoholkonsum, Abhängigkeit); das Aufsuchen des Hausarztes erfolgt häufig wegen körperlicher Begleitphänomenen; die langdauernde Beziehung ermöglicht oft eine bessere Compliance, auch wenn das Abstinenzziel nicht oder nicht immer erreicht wird
  • Für die verschiedenen Therapieansätze (z.B. Entzug, Langzeittherapie) stehen medikamentöse Behandlungsoptionen zur Verfügung
  • Die somatischen Folgeerscheinungen bieten immer wieder einen guten Einstieg zur Diskussion über die Funktion, die der Konsum von Alkohol erfüllt, über unterschiedliche Trinkmuster und ihre Vor-/ und Nachteile
  • Die hausärztlichen Ziele sollten sich an der aktuellen, realen Veränderungsmöglichkeit der Betroffenen orientieren; neben dem Abstinenzziel sollten bei Bedarf auch andere (Zwischen-)Ziele im Sinne einer Risikominderung (harm reduction) Platz haben, zum Beispiel das kontrollierte Trinken oder Trinken unter Kontrolle
  • Besonders wichtig ist ein angemessener Umgang mit Vorfall/ Rückfall-Situationen
  • Hilfreich ist das Aneignen geeigneter Gesprächstechniken (z.B. Motivationale Gesprächsführung, Kurzintervention), die auch in anderen komplexeren Behandlungssituationen nützlich sind, etwa bei der Betreuung von Hypertoniepatienten, Diabetikern oder übergewichtigen Patienten mit wechselnder Compliance und bei Überlagerung mit psychosomatischen Symptomen
  • Bei Hinweisen auf komorbide psychiatrische Erkrankungen (z.B. Angsterkrankung, Depression, ADHS) können psychiatrische Fachkollegen hinzugezogen werden
  • Umgehen Sie möglichst das Risiko gekränkt, verärgert oder frustriert die Behandlung abzubrechen, weil Angaben der Betroffenen nicht mit Ihrer Wahrnehmung übereinstimmen; häufig geht es bei Suchtphänomenen um Ambivalenz und Scham, sehr viel seltener um bewusstes Anlügen; Betroffene scheitern so häufig an sich selbst und in ihren Systemen, dass sie es vermeiden, Dritten gegenüber ihr wiederholtes Versagen und ihre Misserfolge zu offenbaren
  • Hilfreich ist ein lösungsorientiertes Vorgehen in kleinen Schritten und nicht aufzugeben, gemeinsam mit den Betroffenen, Ressourcen zu bündeln, angemessene Ziele zu formulieren und sie bei der Erreichung zu unterstützen
  • Unter Veranstaltungen finden Sie Möglichkeiten des Austauschs mit anderen Fachleuten. Vor allem bei den „schwierigen“ Suchtpatienten kann die gemeinsame Betreuung mit der örtlichen Suchtfachstelle von Vorteil sein
  • Seltener werden heute bei sozial isolierten Abhängigkeitserkrankten, deren kognitive Fähigkeiten wegen eines langjährigen Konsumverhaltens eingeschränkt sind, längerfristige oder andauernde Platzierungen im Sinne eines betreuten Wohnens in Spezialeinrichtungen erwogen

 

 

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