Entwöhnung / Langzeittherapie

  • Im Anschluss an einen (qualifizierten) Entzug stellt sich für den Patienten, seine Angehörigen, den Arbeitgeber und den Hausarzt die Frage, wie es mit der Behandlung der Abhängigkeitserkrankung weiter gehen soll. Erfolgt keine weitere Intervention, steigt das Risiko deutlich, dass die alten Konsummuster wieder aktiviert werden.
  • Wichtig ist es, mit dem Patienten gemeinsam – möglichst frühzeitig – das weitere Prozedere zu besprechen. Insbesondere gilt es zu klären, ob eine Entzugsbehandlung ausreicht oder ob weitere Unterstützungsmassnahmen für die Zielerreichung nötig sind.
  • Für die Aufrechterhaltung der Abstinenz respektive eines kontrollierten Konsums kann eine weitergehende rückfallprophylaktische Behandlung angezeigt sein. In Frage kommen sowohl stationäre als auch ambulante Therapieangebote.

Stationäre Therapieangebote

  • Es besteht ein differenziertes Angebot an stationären Therapien. Die Therapiedauer variiert von 4 Wochen bis 9 Monate. In der Regel braucht es längere Therapien bei gleichzeitigem Bestehen von komorbiden Störungen. Eine eigentliche Langzeit-/Rehabilitationstherapie von 1- 2 Jahren wird jedoch heute selten angeboten.
  • Eine stationäre Therapie ist indiziert, wenn
    • gravierende Störungen im körperlichen, psychischen (z.B. schwere zusätzliche psychische Erkrankungen wie Persönlichkeitsstörungen Depressionen, Angsterkrankungen) oder im sozialen Bereich vorliegen;
    • das soziale Umfeld des Betroffenen keine ausreichende Unterstützung bietet;
    • keine berufliche Integration besteht;
    • keine stabile Wohnsituation gegeben ist;
    • wiederholte Trinkereignisse mit Alkohol während der ambulanten oder teilstationären Behandlung vorgekommen sind;
    • von kognitiv-neuropsychologischer Seite her die betroffene Person dazu in der Lage ist, eine Bereitschaft zur Veränderung vorliegt und eine gewisse Introspektionsfähigkeit sowie eine Bereitschaft, sich aktiv in einen Veränderungsprozess einzulassen, besteht.
  • In der Regel findet vor der stationären Therapie ein Vorgespräch statt, in dem über das entsprechende Behandlungskonzept und die Rahmenbedingungen informiert wird. Vorstellungen, Ziele und Wünsche sollen von Seiten des Patienten benannt werden können.
  • Die Effektivität der stationären Therapie bei Alkoholabhängigkeit konnte vielfach nachgewiesen werden. Neuere Katamnesen aus Entwöhnungseinrichtungen mit einer durchschnittlichen Behandlungsdauer von ca. drei Monaten bestätigen die hohen Abstinenzraten von ca. 50% im ersten Jahr nach Abschluss der Behandlung.

Stationäre Angebote finden Sie in der Infodrog Datenbank Suchthilfeangebote Schweiz.

Teilstationäre Angebote

  • Diese Angebote, wie z.B. Tageskliniken, richten sich an Abhängigkeitskranke, die nach einem Entzug abstinent leben wollen, aber selbständig bisher keine tragfähige Abstinenz erzielen konnten und eine hohe therapeutische Intensität in einem zumindest teilweise geschützten Rahmen benötigen. Dabei bleibt der Realitätsbezug zu ihrer sozialen Umgebung erhalten.

Ambulante Angebote

Nebst der Nachsorge durch den Hausarzt sollten idealerweise weitere unterstützende Angebote organisiert werden. Für den Erhalt einer langfristigen Abstinenz ist eine medikamentöse Unterstützung in Erwägung zu ziehen.

  • Nachsorgegruppen: verschiedene Institutionen, insbesondere Suchtfachkliniken bieten Nachsorgegruppen für den Erfahrungsaustausch sowie zur Rückfallprophylaxe an.
  • Ambulante Weiterbehandlung: Individuelle weiterführende Behandlung in einer Suchtfachstelle oder in einer psychologischen Praxis; wichtig ist eine möglichst nahtlose Weiterführung.
  • Selbsthilfegruppen: Je nach Bedürfnis kann eine Selbsthilfegruppe – insbesondere anschliessend an den Entzug – sehr hilfreich sein. In der Selbsthilfegruppe werden Erfahrungen ausgetauscht, Probleme besprochen und gegenseitige Hilfestellungen geleistet (vgl. Selbsthilfe).
  • Tagesstruktur/Arbeitsstelle: Einen nachgewiesenen positiven Einfluss auf den Erfolg der Behandlung haben Tagesstruktur und/oder Arbeitsstelle. Dies gilt es in der Planung entsprechend zu berücksichtigen, z.B. mit einer frühzeitigen Suche nach einer Arbeitsstelle im Falle von Arbeitslosigkeit (z.B. in Zusammenarbeit mit der Suchtfachstelle oder anderen spezialisierten Stellen).
  • Begleitetes Wohnen: eine Unterstützung im Wohnen bietet sich an, wenn die Ressourcen für die Alltagsbewältigung nicht oder nicht ausreichend vorhanden sind. Verschiedene Angebote im Bereich Begleitetes und Betreutes Wohnen ermöglichen es, längerfristig oder vorübergehend in einem geschützten Rahmen zu leben.

Ambulante Angebote finden Sie in der Infodrog Datenbank Suchthilfeangebote Schweiz.

 


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