Entzug

  • Das Entzugssyndrom tritt bei alkoholabhängigen Patientinnen auf, wenn sie aufhören zu trinken oder die Trinkmenge reduzieren. Symptome treten in der Regel 6-8 Stunden nach Trinkende auf, häufig bevor der Alkoholblutspiegel auf null abfällt. Nach 24 bis 72 Stunden sind die Entzugssymptome am stärksten und klingen dann innerhalb von 7 Tagen ab.
  • Die hauptsächlichen Symptome des Alkoholentzugssyndroms können in zwei 2 Gruppen eingeteilt werden:
    • Autonomes Nervensystem: Tremor, Hyperhidrosis, Tachykardie, Hypertonie
    • Neurologisch-psychische Symptomatik: Nervosität, psychomotorische Unruhe, leichte Irritabilität, Schlaflosigkeit, Konzentrationsminderung, Substanzcraving, Ängstlichkeit etc.
  • 30-40% der Patienten zeigen geringe bis keine Symptome, ca. 50% eine mässig ausgeprägte Symptomatik. Ca. 10-15% zeigen ausgeprägte Entzugssymptome; als gefährlichste Komplikationen des Alkoholentzugssyndroms können ein generalisierter Krampfanfall (Epilepsie) oder ein Delirium tremens mit Desorientierung, visuellen und auditiven Halluzinationen und lebensbedrohlichen vegetativen Begleitreaktionen auftreten.
  • Alkoholabhängige Menschen versuchen oft auch, den Alkoholentzug ohne fachliche Unterstützung durchzuführen. Es ist daher wichtig, niederschwellige Behandlungsmöglichkeiten anzubieten; in der Praxis des Hausarztes, im Suchtambulatorium oder auf der Suchtfachstelle.
  • Die Mehrzahl der Entzugsbehandlungen kann ambulant (→ ambulanter Entzug) erfolgen, sofern keine Kontraindikationen vorliegen.
  • Eine pharmakologische Behandlung – insbesondere der Entzugserscheinungen – kann angezeigt sein. Medikament der Wahl sind Benzodiazepine, insbesondere zur Linderung der Entzugssymptome, aber auch zur Vorbeugung von Krampfanfällen und Delirium tremens.
  • Bei Vorhandensein von einem oder mehreren der folgenden Kriterien sollte eine stationäre Entzugsbehandlung erwogen werden – wobei der Wunsch des Patienten nach Möglichkeit zu respektieren ist:
    • Komplikationen bei Entzugsbehandlungen in der Vorgeschichte (epileptische Anfälle, Delir);
    • Ausgeprägte Organschäden, schwere Intoxikation, aktiver Infekt;
    • Eskalierende Entzugssymptomatik, insbesondere bei beginnendem Delir;
    • Abwesenheit eines unterstützenden sozialen Netzwerkes
    • Positives Drogenscreening für andere Substanzen, insbesondere Benzodiazepine , illegale Substanzen;
    • Tachykardie > 120/min
    • Ausgeprägte somatische oder psychiatrische Komorbidität, z.B. Herzerkrankungen, schlecht eingestellter Diabetes mellitus, chronisch obstruktive Lungenerkrankungen

Zum Weiterlesen guter Übersichtsartikel: Outpatient Management of Alcohol Withdrawal Syndrome (Herbert et al. 2013)

 

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