Früherkennung und Frühintervention bei Alkoholproblemen

Idee und Ziel

  • Das Anliegen der Früherkennung und Frühintervention ist es, möglichst frühzeitig problematische Verhaltensweisen zu erkennen und durch geeignete Interventionen eine negativ verlaufende Entwicklung zu vermeiden
  • Für die Hausarztpraxis bedeutet dies, problematische Alkoholkonsummuster zu erkennen und die Patienten zu einer Verhaltensänderung zu motivieren
  • Bei der Früherkennung von problematischem Alkoholkonsum sind einige grundlegende Punkte zu beachten

Sensibilisierung

Patienten mit Fragen und Unsicherheiten zum Alkoholkonsum erhalten grundlegende Informationen zum risikoarmen und problematischen Konsum, zu Abhängigkeit sowie zu den Auswirkungen der einzelnen Konsumformen, und werden bei Bedarf an andere Angebote weiterverwiesen (Suchtfachstellen, Online-Angebote, etc.). In der Regel begrüssen es Patienten, wenn Sie auf ihren Alkoholkonsum angesprochen werden (Daeppen/Gaume 20061). Für die Gesprächsführung sind Aspekte der Motivational Interviewing sowie Kurzinterventionen hilfreich.

Screening

Die Erkennung eines problematischen Alkoholkonsums erfolgt durch geeignete Screeningverfahren (z.B. AUDIT). Die Früherkennung setzt zudem voraus, dass der behandelnde Arzt daran denkt, dass geschilderte Beschwerden alkoholinduziert sein könnten.

Gesprächseröffnung

Es empfiehlt sich den richtigen Zeitpunkt zu wählen, um das Thema Alkoholkonsum anzusprechen, z.B.

  • Bei einer Routinekontrolle
  • Bei gesundheitlichen Beschwerden, welche durch einen problematischen Alkoholkonsum (mit-)verursacht sein können
  • Im Zusammenhang mit den Lebensgewohnheiten; etc
  • Bei abnormalen Laborwerten (MCV, ASAT/ALAT, gamma-GT)

Beim Ansprechen auf den Alkoholkonsum ist es von zentraler Bedeutung, wie und mit welcher Haltung das Gespräch eröffnet wird (siehe dazu auch unter Motivierende Gesprächsführung). Z.B.: „Darf ich Ihnen einige /drei Fragen zum Alkoholkonsum stellen?“ Wird die Frage negativ beantwortet, ist dies zu akzeptieren. Wichtig ist, zu zeigen, dass eine Bereitschaft besteht, über das Thema Alkohol zu sprechen, falls der Patient dies wünscht. Patienten begrüssen es in der Regel, auf ihren Alkoholkonsum angesprochen zu werden, insbesondere wenn dies mit deren Wohlbefinden und Gesundheit begründet wird. Entscheidend ist ebenfalls eine gute Arzt-Patient-Beziehung.

Motivation zur Veränderung klären

Vor einer Intervention gilt es, gemäss dem Transtheoretischen Modell, die Motivation für eine Verhaltensänderung zu klären und die Intervention entsprechend daran auszurichten.

Interventionen bei problematischem Konsum

  • Empfehlung von Online-Selbsttests (diese basieren i.d.R. auf dem AUDIT, geben umgehend eine Rückmeldung zum persönlichen Konsum, Informationen und eine Empfehlung, ob der Alkoholkonsum reduziert werden sollte)
  • Informationsbroschüren aushändigen, z.B. Alkohol und Gesundheit und/oder Empfehlung von Selbsthilfeprogrammen (online und/oder Literatur); Angebote im Internet können dazu beitragen, dass die Schwelle, Hilfe in Anspruch zu nehmen, gesenkt wird
  • Bei Akzeptanz des Patienten sind zudem folgende Interventionen möglich
    • Einfache Beratung über mögliche Folgeschäden und Grenzwerte im Sinne einer Alkoholedukation
    • Bestimmung der Laborparameter (γ-GT, MCV, MCH, CDT) zur Verlaufskontrolle, vgl. Biologische Marker

Auswahl Selbsttests, Selbsthilfeprogramme und Literatur

 

1Daeppen JB, Gaume MJ 2006: Implémentation et dissémination de l’intervention brève pour la consommation d’alcool à risque en médecine de premier recours: Evaluation du projet partiel "médecins" du programme nationale alcool "ça débouche sur quoi?" S. 6; S. 2 Anhang 1.

 

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