Alkoholkonsum bei Jugendlichen

Jugendliche mit einem problematischen Suchtmittel-/Alkoholkonsum und/oder Risikoverhalten sind vermutlich in der Hausarztpraxis nicht allzu häufig anzutreffen. Meist sind es besorgte Eltern, die Beratung und Informationen wünschen. Im Sinne einer Früherkennung und Frühintervention sollte der Situation genügend Beachtung geschenkt werden.

Informations- und Beratungsangebote

  • Fachstellen für Alkohol- und Suchtprobleme stehen in vielen Städten und  Gemeinden für Abklärungen, für die Einschätzung des Hilfebedarfs sowie für Beratungen von Jugendlichen zur Verfügung, diese bieten auch Beratung und Begleitung von Angehörigen an;
  • Suchtfachstellen stellen im Bedarfsfall auch den Kontakt zu spezialisierten Angeboten (z.B. Kinder- und Jugendpsychiatrie etwa bei Verhaltensstörungen) sicher; Von dort aus kann bei Bedarf der Kontakt zu  speziellen Beratungsstellen für die Jugendlichen selbst hergestellt werden oder in besonderen Fällen (etwa bei Verhaltensstörungen), an Institutionen für Kinder- und Jugendpsychiatrie überwiesen werden;
  • Jugendliche finden Informationen und Beratung auch im Internet: www.alcotool.ch, www.feel-ok.ch, www.tschau.ch.

Ein paar Fakten

  • Der Pro-Kopf Verbrauch an Alkohol in der Schweizer Gesamtbevölkerung ist in den letzten Jahren insgesamt rückläufig, auch bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen, vgl. Alkoholkonsumgewohnheiten;
  • Der durchschnittliche Alkoholkonsum  aller Schweizer von 1981 bis 2008 ist von 11.2 auf 8.7 Liter Alkohol pro Kopf pro Jahr gesunken, auch bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen gab es einen leichten Rückgang;
  • Aber: die Zahl der Jugendlichen, die in Schweizer Spitälern mit einer Alkoholintoxikation behandelt wurden, stieg von 2005 zu 2007 um ca. 16%, bei den jungen Männer um 6%, einen deutlich stärkeren Anstieg gab es bei Mädchen und jungen Frauen mit 35%; dieser Trend zeigt sich auch in den Nachbarländern. Siehe auch Binge Drinking;
  • Exzessiver Alkoholkonsum und damit verbundenes Risikoverhalten geschieht häufig in der Freizeit (im Partysetting, im öffentlichen Raum etc.), teilweise verbunden mit dem Konsum von anderen psychoaktiven Substanzen (Mischkonsum).
  • Wichtige Entwicklungsprozesse im Gehirn von Jugendlichen werden durch Alkoholkonsum beeinträchtigt; das betrifft vor allem sensible Regionen (Hippocampus), die u. a. an Lernprozessen beteiligt sind;
  • Jugendliche haben aufgrund ihrer altersbedingten körperlichen Entwicklung meist noch ein geringeres Körpergewicht als Erwachsene, daher führt die gleiche Menge aufgenommenen Alkohols zu einer höheren Blutalkoholkonzentration.

Bedeutung für die Zukunft der Jugendlichen

  • Studien belegen, dass die deutliche Mehrheit der Jugendlichen einen vernünftigen Umgang mit Alkohol und anderen psychoaktiven Substanzen zeigt.

Risikogruppen

Eine kleine Gruppe der Jugendlichen setzt sich einem besonderen Risiko aus:

  • Früher Trinkbeginn im Alter von 11-15 Jahren, da sie dann in einer sehr sensiblen psychischen und hirnorganischen Entwicklungsphase sind, Mädchen sind noch stärker betroffen wie Jungen;
  • Alkohol-Intoxikation nach exzessivem Alkoholkonsum (binge drinking)/Behandlung auf Notfallstationen;
  • Mischkonsum mit anderen psychoaktiven Substanzen (Cannabis, Kokain, Amphetamin, Ecstasy, etc.);
  • Einsatz als „Problemlösestrategie“ und zum Spannungsabbau.

 

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