Somatische Folgen

Alkoholinduzierte Organerkrankungen tragen wesentlich zur Gesamtmortalität der Weltbevölkerung sowie zu den durch Behinderung verlorenen Lebensjahren bei. Ungefähr 29 Prozent aller hospitalisierten Männer und 9 Prozent der Frauen in sämtlichen medizinischen Facheinrichtungen weisen alkoholassoziierte Folgeerkrankungen auf.

  • Die häufigsten internistischen Folgeprobleme sind:
    • Leber (siehe auch EASL Clinical Practical Guidelines: Management of Alcoholic Liver Disease sowie Leitlinie zur "Komplikation der Leberzirrhose"):
      • Fettleber/ Alkoholische Hepatitis / Leberzirrhose
      • Zieve Syndrom: Ikterus,hämolytische Anämie, Hyperlipoproteinämie
    • Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis):
      • Akute Pankreatitis
      • Chronisch-kalzifizierende Pankreatitis, Pankreasinsuffizienz
      • Diabetes Mellitus
    • Magen-Darm (Gastritis, Ulcus):
      • Akute Gastritis, evtl. Magenblutungen durch erosive Gastritis
      • Intestinale Resorptionsstörung
    • Oesophagus:
      • Akute Oesophagitis und Refluxösophagitis
      • Mallory Weiss Syndrom (Schleimhauteinrisse im ösophago-kardialen Uebergangsbereich ausgelöst durch Erbrechen; Blutungen als Folge
      • Oesophagusvarizen
    • Mangelzustände im Hinblick auf verschiedene Vitamine, insbesondere Vitamin B1, B2, B6 und B12 sowie die Spurenelemente Zink, und Selen, Magnesium und Phosphat
    • Stoffwechsel:
      • Folsäuremangel (Anämie)
      • Porphyrine (Porphyria cutanea tarda)
      • Blutfette, Blutzucker
    • Herz-Kreislauf:
      • Blutdruckerhöhung, Pulssteigerung
      • EKG-Veränderungen - Herzrhythmusstörungen durch eine vermehrte Katecholaminfreisetzung ("Holiday Heart" nach "binge drinking")
      • Alkoholische Kardiomyopathie
    • Haut:
      • Spider naevi, Gesichtsrötung,
      • Teleangiektasien, Palmarerythem, Rhinophym
      • Caput medusae
    • Mund-Rachen-Raum:
      • Schlechter Zahnstatus, Plaques
    • Karzinome der Mundhöhle, Hypopharynx, Pharynx, Larynx und Ösophagus, aber auch Colon und Mamma.
    • Endokrine Störungen:
      • Gynäkomastie
      • weiblicher Behaarungstyp beim Mann
      • Hodenatrophie und Störungen der Spermiogenese
      • erektile Dysfunktionen
      • Amenorrhoe bei der Frau
    • typisch sind neurologische Symptome:
      • Störungen der Sensibilität (besonders an distalen Extremitäten), der Reflexe, des Vibrationsempfinden (Polyneuropathie)
      • Störungen der Augenfolgebewegungen (Sakkaden, Nystagmus)
      • Störungen der Koordination: Gangstörung, Ataxie, Tremor
      • Störungen der Motorik: Atrophie, insbesondere der unteren Extremitäten
      • Klassische neurologische Begleiterkrankungen chronischen Alkoholmissbrauchs stellen epileptische Anfälle unter Alkoholeinfluss oder nach meist abrupter Beendigung des Alkoholkonsums dar

Wernicke-Korsakoff-Syndrom (WKS)

  • Die schwerste neurologische Folgeerkrankung bei Alkoholabhängigkeit ist das Wernicke-Korsakow-Syndrom (WKS, Korsakoff Psychose, Wernicke Enzephalopathie), dem ursächlich ein Vitamin-B1-Mangel (Thiamin) infolge Mangelernährung, Resorptionsstörung oder Störung des Thiaminstoffwechsels zu Grunde liegt; dabei kommt es an bestimmten Gehirnstrukturen zu Atrophien, vor allem der Corpora mamillaria
  • Das klassische Symptom-Trias des Wernicke-Korsakow-Syndroms besteht aus kognitiven Beeinträchtigungen (Amnesien: Gedächtnislücken werden typischerweise mit Konfabulationen ausgefüllt), Augenmuskelstörungen und Gangataxie, wobei lediglich ca. 20% der Betroffenen die komplette Trias zeigt
  • Beim WKS handelt es sich um einen akuten Notfall (sofortige Spitaleinweisung erforderlich)
    Die Behandlung besteht in einem schnellstmöglichen Vitaminersatz durch intravenöse Gabe (wegen der gestörten Resorption) von hochdosiertem Vit. B1 dreimal täglich 500mg über mindestens 7 Tage (aufgrund des Anaphylaxierisikos langsam verabreicht) 
  • Erst nach ausreichender Thiaminsubstitution perorale Einnahme empfohlen, z.B. 100 mg Benerva®