Einleitung

  • Seit 2011 ist es Ärztinnen/Ärzten in der Schweiz nun mit einer Ausnahmebewilligung des Bundesamtes für Gesundheit möglich Ihre Patientinnen/Patienten mit Cannabisarzneimitteln zu behandeln. Aufgrund der hohen Anzahl Verschreibungen, dem damit zusammenhäng-enden Aufwand für die Ärzteschaft und den politischen Entwicklungen hat der Bundesrat im Juli 2018 eine Vorlage zur Änderung des Betäubungsmittelgesetzes und der Aufhebung des Verkehrsverbots von Cannabis zu medizinischen Zwecken in Auftrag gegeben. Im Rahmen der Vernehmlassung im Herbst 2019 haben die Kantone, die politischen Parteien und die weiteren interessierten Kreise die Gesetzesänderung im Grundsatz begrüsst. Der Bundesrat hat daraufhin am Mitte letzten Jahres die Botschaft zur Änderung des Betäubungsmittelgesetzes überwiesen. Es ist das Bestreben der Gesetzesrevision den Zugang und die Administration zu vereinfachen, die finanzielle Erstattung besser zu regeln, sowie die wissenschaftliche Erkenntnis zu vergrössern. Bis zum Inkrafttreten der Revision - frühestens Mitte 2022 - können Sie sich weiterhin auf der Webseite des BAG und der Seite von Praxis Suchtmedizin zur beschränkten medizinischen Anwendung von Cannabis informieren.
  • Mit diesem Thema befasst sich auch die neu gegründete interprofessionelle Fachgesellschaft – die Schweizerische Gesellschaft für Cannabis in der Medizin(SGCM-SSCM) deren Mitglieder teilweise auch bereits in der Schweizerischen Arbeitsgruppe für Cannabinoide in der Medizin (SACM) tätig waren. Ziel der SGCM-SSCM ist die Vernetzung von Medizin (Ärzten, Pflegenden, Therapeuten), Pharmakologie, Pharmazie (Apotheker),  Forschung, Lehre, Patientenorganisationen, Industrie und Behörden (Bundesamt für Gesundheit), um den medizinischen Einsatz von Cannabis und Cannabinoiden weiter voranzutreiben, sowie fachlich und wissenschaftlich zu begleiten.
  • Zur Förderung der Publikation von Fachartikeln zum Thema Cannabis in der Medizin gibt der Karger Verlag die Open-Access Fachzeitschrift Medical Cannabis and Cannabinoids heraus, welche kostenfrei zur Verfügung steht und gleichzeitig als offizielles Publikationsorgan der SGCM-SSCM fungiert. Weitere Informationen über die SGCM-SSCM sowie ein Anmeldeformular für die Mitgliedschaft finden Sie auf der Webseite der Fachgesellschaft.
  • Die Begriffe "Medical Cannabis" oder "Cannabinoide in der Medizin" werden für den therapeutischen Einsatz der Hanfpflanze und ihrer natürlichen oder synthetisch hergestellten Wirkstoffe (sogenannten Cannabinoide) zur Behandlung von Krankheiten gebraucht. Gemäss dem heutigen Stand der Forschung ist die Anwesenheit von THC für einen medizinischen Nutzen unentbehrlich.
  • Davon abzugrenzen ist die Anwendung von CBD als Monosubstanz (Cannabidiol), die in einem speziellen Kapitel behandelt wird.

Typische Situation aus Sicht des Patienten

  • Patienten mit chronischen Krankheiten äussern bei ihrem Arzt (Hausarzt, Neurologe, Onkologe, Palliativmediziner) zunehmend häufiger den Wunsch nach Informationen über oder für die Verschreibung von Cannabis oder Cannabinoiden als Medikament (Medical Cannabis), weil die bisher angewendeten Behandlungsformen zu keiner ausreichenden Linderung geführt haben.

Typische Situation aus Sicht des Arztes

  • Er kennt die Person meist seit langer Zeit, das Leiden und die ausgeschöpfte Therapie, möchte Linderung verschaffen, ist bereit neue oder weniger konventionelle Wege zu gehen.

Unsicherheit / Fragen

  • Überlagert von der politischen, öffentlichen und medizinischen Diskussion über den Gebrauch von Cannabis als Rauschmittel bestehen für Arzt und Patient viele Unklarheiten, die sonst bei einer phytotherapeutischen Behandlung nicht bestehen, unter anderem:
  • Der Algorithmus leitet den Arzt pragmatisch bei der Entscheidfindung. Er ist Abbild der gegenwärtigen Rechtslage und der medizinischen Erkenntnis. Beides kann sich ändern.
  • Ergänzend sind noch Informationen zu Cannabidiol (CBD) angeführt. Eine Abgrenzung des Gebrauchs von CBD zum Thema Medical Cannabis ist aus medizinischer und juristischer Sicht notwendig.

 

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