Epidemiologie

  • Gerade die Beliebtheit von sog. Partydrogen unterliegt einer grossen Schwankungsbreite, die durch verschiedenste Faktoren (z.B. Modeströmungen, gesellschaftlicher Funktionswandel von Substanzen („Uppers“ oder „Downers“), beziehungsweise Verfügbarkeit, Szenevorlieben, Subkultur, Preis) beeinflusst wird.
  • Partydroge "Nummer 1" ist und bleibt Alkohol! Übermässiger Alkoholkonsum ist die häufigste Ursache für medizinische Probleme, welche in Zusammenhang mit dem Nachtleben stehen, und stellt häufig auch eine Begleiterscheinung bei Gewaltvorfällen und Verkehrsunfällen dar.
  • Aktuell sind "Legal Highs“-Produkte medial oft ein Thema. Dabei handelt es sich nicht um ein neues Phänomen, denn die Suche nach legalen Ersatzstoffen gab es schon immer. Neu ist aber die aggressive Vermarktung über das Internet. Trotz der Vielzahl von neuen Substanzen wird nur ein kleiner Teil davon konsumiert. Es handelt sich meist um Substitute für bekannte illegale Substanzen, wie z.B. Kokain, Amphetamin, Cannabis und Ecstasy.
  • "Neuroenhancer", wie z.B. Ritalin, spielen, im Gegensatz zum Ausland, in der Schweizer Partyszene nur eine untergeordnete Rolle. Meist handelt es sich dabei um einen einmaligen Probierkonsum. Retrospektive Analyse von beim TOXI gemeldeten Fällen zeigen jedoch eine Zunahme von Intoxikationen mit Methylphenidat im Verlauf der letzten 10 Jahre (http://www.smw.ch/content/smw-2010-13115/)
  • In der Allgemeinbevölkerung sind die Gesamtprävalenzraten für Designerdrogen niedrig. Erhöhte Prävalenzzahlen findet man bei bestimmten Altersgruppen und bezüglich gewissen Szenen/Kulturen (MSM Bereich, Partygänger/innen).
    Bezüglich des Bereichs MSM (Männer welche Sex mit Männern haben), hat eine Studie aus Genf, aus dem Jahr 2002 gezeigt, dass der Konsum von Stimulanzien (Kokain ausgenommen) und von Halluzinogenen (LSD, Pilze) in dieser Population signifikant verbreiteter ist als innerhalb der Normalbevölkerung.  Der Konsum dieser Substanzen innerhalb der letzten 12 Monate lag bei 20% im Vergleich zu 2% innerhalb der Normalbevölkerung, bei den Halluzinogenen war die Differenz etwas weniger stark ausgeprägt (11% bezüglich 4%). Siehe: http://santegaie2005.thewarning.info/Resources/dialogai.pdf
  • Die Lebenszeitprävalenz bzgl. Konsum bei unterschiedlichen Designerdrogen liegt zwischen 1% und 6%, abhängig von Alter und Geschlecht.
  • Diverse Studien weisen eine weitaus höhere Konsumrate von Designerdrogen bei PartygängerInnen aus. Die vorhandenen Zahlen beziehen sich in der Regel jedoch auf ganz spezifische Subgruppen (z.B. Besucher von Technopartys), womit keine allgemeingültigen (repräsentativen) Aussagen über die gesamte Gruppe der Partygängern möglich sind.
  • Befragungen von Konsumierenden im Rahmen von Beratungs- und Drug Checking Angeboten der Stadt Zürich durch das Drogeninformationszentrum (DIZ) der Jugendberatung Streetwork sowie durch das Contact Netz Bern (Rave it safe) lieferten hierzu genauere Zahlen. Die Analyse der Konsumhäufigkeit für Partydrogen innerhalb der letzten 30 Tage zeigte, dass die meisten Nutzer (N = 1376) ihren Konsum von Partydrogen auf ein- bis dreimal pro Monat bezifferten: 29.4% der Befragten haben im letzten Monat Ecstasy, 17,8% der Befragten Kokain und 15.7% der Befragten Amphetamin konsumiert.
  • Als Partydroge Nr. 1 wird während des Wochenendes vermutlich Alkohol am häufigsten eingenommen: 40.8% der Befragten gaben an ein- bis zweimal pro Woche zu trinken, während ein täglicher Alkoholkonsum bei 8,6% der Befragten vorkam.
  • Zudem war bei den Erhebungen der regelmässige Cannabiskonsum auffallend: So gaben 27,2% aller Befragten an, täglich Cannabis zu konsumieren.
  • Weiter zeigten die Erhebungen, dass bei 80-90% der Subpopulation ein riskantes bis hochriskantes Konsummuster vorliegt bzw. bei rund 5% der Konsumenten sogar von einer Abhängigkeit ausgegangen werden kann. Die Einteilung basiert einerseits auf der Konsumhäufigkeit und anderseits auf dem Ausmass des Mischkonsums unter Berücksichtigung von aktuellem pharmakologischem und neurobiologischen Wissen. Ein Grossteil der Befragten (>80%) betrieb während einer typischen Partynacht einen Mischkonsum, dabei wurden illegale Substanzen zumeist mit Alkohol gemischt (Bachmann, A., Bücheli, A. (2011). SuchtMagazin, 5/2011, Früherkennung und Frühintervention.)
  • Die Darstellung der Lebenszeitprävalenz für Ecstasy-, Amphetamin- bzw. andere Stimulanzien und Halluzinogenen in den Jahren 1997, 2002, 2007 (Daten der Schweizerischen Gesundheitsbefragung SGB) bei den über 15-Jährigen zeigen folgende Prävalenzraten: Zwischen den beiden Erhebungszeitpunkten (1997 und 2007) nahm die Lebenszeitprävalenz beim Ecstasykonsum um 0.8% auf 1,8% zu. Im gleichen Zeitraum nahm die Lebenszeitprävalenz des Kokainkonsums um 1.2% zu: 1997 gaben 1.6%, 2007 2.8% der Befragten an, schon einmal im Leben Kokain konsumiert zu haben. Im Vergleich dazu nahm die Lebensprävalenz beim Cannabiskonsum um 5.2% auf 19.4% zu (Quelle: Sucht Schweiz).
  • Trends und Zahlen zu einigen "Designerdrogen" aus der HBSC-Schüler-Studie bei 15-jährigen SchülerInnen: 2010 berichteten 2.8% der Schüler bzw. 2.2% der Schülerinnen in ihrem Leben bereits einmal halluzinogene Pilze konsumiert zu haben, 1% der befragten SchülerInnen gaben an, mindestens einmal LSD zu sich genommen zu haben. 1.3% der Schüler und 1.2% der Schülerinnen hätten zumindest einmal Amphetamine bzw. Speed probiert und 1.7% der Jungs bzw. 1.3% der Mädchen hätten bereits erste Erfahrungen mit Ecstasy gemacht (Quelle: Sucht Schweiz).
  • Grafik zur Probenzusammensetzung der beim "Drug Checking" (chemische Analyse der abgegebenen Proben) untersuchten psychoaktiven Substanzen durch das Drogeninformationszentrum DIZ:

    Diagramm Drug-Checking

    Legende: „XTC“ = Ecstasy, „MDMA“ = Ecstasypulver, „NPS“ = Neue psychoaktive Substanzen (Reserach Chemicals)
    (Quelle: Stadt Zürich, Drogeninformationszentrum (DIZ) der Jugendberatung Streetwork)

 

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