Buprenorphin versus Methadon

  • Entscheidend ist folgende Frage: „Welche Patienten profitieren von einer Behandlung mit Buprenorphin bzw. Methadon?“
  • Die Beantwortung folgender Detailfragen kann Klarheit bringen:
    • Funktion der Droge
    • Abhängigkeitsniveau, -dauer
    • Bedeutung des Beikonsums
    • Was sollte sich in der Befindlichkeit des Patienten verbessern
    • Berücksichtigung des Patientenwunsches (Compliance)
    • Soziale und berufliche Integration des Patienten
    • Methadon-/Buprenorphin-Nebenwirkungen
    • Gesundheitszustand
  • Bei gut verlaufender Substitutionsbehandlung (Zufriedenheit des Patienten und des Behandlers) sollte kein Wechsel zu einem anderen Präparat erfolgen.
  • Herrschen dagegen Unzufriedenheit mit dem Medikament vor bzw. kommt es zu dauerhaft, unangenehmen Nebenwirkungen, dann sollte ein Wechsel des Substitutionsmedikaments ernsthaft erwogen werden.
  • Buprenorphin bewährt sich besonders bei Klienten mit einem niedrigen/mittleren Abhängigkeitsniveau (Rapid Addiction Profile) und einer angemessenen sozialen Integration.
  • Buprenorphin bietet eine grössere therapeutische Breite und folglich einen höheren Sicherheitsbereich. Anders als bei anderen Opioidsubstitutionsmitteln kommt es bei regulärer Buprenorphin-Einnahme nicht zu interventionspflichtigen Atemdepressionen.
  • In Patientenberichten (!) finden sich Hinweise, dass unter einer Buprenorphinsubstitution (auch bei höheren Dosen) ein subjekives Gefühl des "klaren Kopfs" (vs. "Eintrübungsgefühl" unter Heroin bzw. Methadon) vorherrscht. Eine Substitution mit Buprenorphin könnte deshalb gerade bei „stabileren“ Patienten, die z.B. bereits einer Arbeit nachgehen bzw. in Angriff nehmen wollen, sinnvoll sein.
  • Manche Patienten empfinden diese „Klarheit“ aber als unangenehm. In solchen Fällen wäre ein anderes Opiatsubstitutionsmittel indiziert.
  • Von Buprenorphin alleine sind keine QT verlängernden Effekte beschrieben. In Kombination mit dem Proteaseinhibitor Ritonavir wurden jedoch QT Verlängerungen beobachtet. Es liegt jedoch kaum Literatur zu diesem Thema vor (Baker, 2006; Krantz 2005).
  • Buprenorphin hat möglicherweise einen geringeren Einfluss auf die Hypophysen-Gonadenachse.
  • Die Retentionsrate (Verbleiben im Behandlungsprogramm) der Buprenorphinsubstitution ist vergleichbar mit der einer Methadonsubstitution.



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