Erstbeurteilung Arzt

Der Patient erlebt sich als "Notfall" und möchte "sofort" mit einer SGB beginnen:

  • Die medizinischen Risiken eines raschen Beginns sind verschwindend klein (vgl. Indikationsstellung).
  • Die Risiken eines fortgesetzten, v.a. intravenösen Konsums sind wesentlich grösser.

Neben den

  • allgemeinen Fragen, die sich der Arzt stellen soll:
    • Habe ich genügend Zeit für einen (weiteren) Suchtpatienten?
    • Habe ich mit diesem Patienten bereits eine belastende Vorgeschichte (Diebstahl / Gewalt in der Praxis; ausstehende Rechnungen? Mehrere Therapieabbrüche)?
    • Erachte ich den Patienten als bündnisfähig?
    • Kann ich mir eine therapeutische Beziehung vorstellen?
    • Was spricht allenfalls für eine ambulante oder stationäre abstinenzorientierte Behandlung (Abklärung der Gründe)?
    • Welches sind die Vorerfahrungen des Patienten mit Substitution (bei Erstverordnung braucht es mehr Infos und Abklärungen)?

sollen beim Wunsch nach einem sofortigen Therapiebeginn folgende Faktoren bedacht und in der KG dokumentiert werden:

  • Gibt es starke Indizien für eine etablierte Abhängigkeit?
  • Erhöht ein rascher Behandlungsbeginn die Chancen einer Therapieaufnahme und späteren Therapie Adhärenz?
  • Gibt es plausible Gründe, keine abstinenzorientierte Behandlung durchzuführen (z.B. fehlender Wunsch des Patienten, schnellstmögliche Stabilisierung als prioritäres Ziel)?
  • Ist der Patient zum jetzigen Zeitpunkt (cave Atemdepression bei zusätzlicher Opioidgabe) nicht zu intoxikiert (Alkohol, Benzodiazepine; Orientierung? Bewegung/Motorik? Wachheitsgrad? Sprache?)

Falls diese 4 Fragen mehrheitlich bejaht werden können, sollte aus suchtmedizinischer Sicht eine SGB in der ersten Konsultation begonnen werden:

  • Falls die kantonale Gesetzgebung dies zulässt.
  • Eine telefonische Anfrage bei Kantonsarzt lässt Doppelbezüge ausschliessen.

Ist auf Grund der Beantwortung oben erwähnter Fragen einen Schnellstart nicht möglich, kann alternativ dazu mit einem SGB Start in 2 Konsultationen begonnen werden.

 

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