Substitutionsgestützte Behandlung und Interkulturalität

  • In der Schweiz sind mit steigender Tendenz zirka 20% der in SGB (Substitutionsgestützter Behandlung) stehenden Patienten Migranten oder Personen mit Migrationshintergrund (zweite/dritte Generation).
  • Zu einem eingeschränkten Erfolg (Malcompliance) der SGB führen sprachliche und soziokulturelle, manchmal auch ausländerrechtliche Hindernisse (z.B. drohende Ausweisung).
  • Unzureichende Kenntnisse bzw. ein unterschiedliches Verständnis zwischen Arzt und Patient von der Bedeutung illegaler Drogen, von Abhängigkeitserkrankungen von Therapie und Heilung, von Arzt- und Patientenrolle erschweren die Behandlung. Eine Klärung dieser Vorstellungen und Themen sollte am Anfang der Intervention stehen, wobei simple kulturelle Zuschreibungen zu vermeiden sind.
  • Bei den Patienten können mangelndes Selbstvertrauen und Vertrauen in die Selbstwirksamkeit sowie Schamgefühle die Behandlung behindern.
  • In der Kommunikation ist der Aufbau einer vertrauensvollen Beziehung oft ebenso wichtig wie die Vermittlung von Sachinformationen.
  • Der individuell angemessene Einbezug der Angehörigen ist oft für Compliance und Therapieerfolg ausschlaggebend.
  • Wenn sprachliche und/oder kulturelle Schwierigkeiten bestehen, sollte bei langfristigen Behandlungen mit zertifizierten interkulturellen Übersetzern gearbeitet werden. Auf das Einsetzen von Familienmitgliedern zum Übersetzen sollte verzichtet werden.
  • Hier finden Sie eine Liste der Vermittlungsstellen für interkulturelle Übersetzer in der Schweiz sowie nützliche Informationen zur Arbeit mit Übersetzung oder wählen Sie den nationalen Telefondolmetscherdienst (kostenpflichtig) unter der Nummer 0842 442 442.
  • Eine psychosoziale Begleitung/Betreuung durch eine transkulturell kompetente bzw. entsprechend vernetzte Suchtfachstelle ist anzustreben.
  • Informationen und Onlineberatung für Migranten zum Leben in der Schweiz sind in vielen verschiedenen Sprachen auch auf der Website www.migraweb.ch zu finden,  spezifische Gesundheitsinformationen in verschiedenen Sprachen sowie weiterführende Links im Migrationsbereich gibt es auf www.migesplus.ch.
  • Die Webseite des Schweiz. Roten Kreuzes gibt umfassende Informationen zum transkulturell kompetenten Umgang mit Patienten mit Migrationshintergrund.
  • Infodrog (www.infodrog.ch) stellt spezifisch auf den Suchtbereich bezogene Informationen und Publikationen zur Verfügung:
    • das Praxismanual „Migrationsgerechte Suchtarbeit. Texte von der Praxis für die Praxis“ (2009)
    • Themenseite Migration auf www.infodrog.ch