Entzugsbehandlung Kokain

3 Phasen (nach Gawin und Kleber 1986)

1. Zusammenbruch (Crash)

  • Dauer: 9 Stunden bis 4 Tage nach letztem Konsum
  • Symptome:
    • Niedergeschlagenheit, Müdigkeit, Schlafstörung
    • lebhafte Albträume
    • oft ausgeprägte Dysphorie
    • Appetitsteigerung
    • psychomotorische Hemmung oder Erregung
    • Suizidalität
  • Hilfreich: Stützende Gespräche, reizarme Umgebung, Rückzugsmöglichkeit
  • Medikamentös:
    • bei Unruhe: Sedativa (Benzodiazepine, Quetiapin in niedriger Dosis)
    • bei Schlafstörungen: Trazodon, Pipamperon, Antidepressiva mit sedierender Wirkung wie Trimipramin, Mirtazapin
    • bei ausgeprägter psychomotorischer Erregung: Benzodiazepine und / oder Antipsychotika

2. Entzug (Withdrawal)

  • Dauer: 1 bis 10 Wochen
  • Symptome:
    • Meist sehr ausgeprägtes Craving
    • Mattigkeit
    • Depressivität, Antriebslosigkeit
    • Schlafstörungen
    • Reizbarkeit
    • Selbstzweifel
    • Suizidalität
  • Medikamentös:
    • Symptomorientiert wie in Phase 1
    • Medikamentöse Behandlung der Komorbidität

3. Löschung (Extinction)

  • Dauer: über 10 Wochen hinaus
  • Symptome:
    • wiederkehrende, durch äussere Reize ausgelöstes Craving
    • Schlafstörungen mit Albträumen bzw. Träumen mit Rauscherlebnissen
    • anhaltende Depressivität
    • Suizidalität
  • Medikamentös:
  • Psychotherapeutisch siehe unter Behandlungsphasen

 

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Akuter Rausch, psychische Wirkung

Akuter Rausch: gesuchte psychische Wirkungen

  • Euphorie
  • Wachheit
  • Gesteigerte Selbstsicherheit
  • Bewusstseinsklarheit
  • Reduzierte Müdigkeit
  • Rededrang
  • Steigerung der sexuellen Appetenz
  • Gedankenrasen
  • Unterdrückung von Schlafbedürfnis, Appetit, Müdigkeit

Nach Abklingen der Wirkung häufig depressive Erschöpfung und Stimmungseinbruch, Angst, nicht selten Suizidgedanken

Akuter Rausch: psychiatrische Komplikationen

(nach Praxisbuch Sucht, Batra/Bilke2012)

  • Rauschverlauf mit paranoiden Symptomen
    • Paranoide Ideen
    • Wahnhafte Umdeutung der Situation
    • Verlust der Ich-Kontrolle
    • Halluzinationen
  • Rauschverlauf mit agitiert hypomanischem Syndrom
    • Agitiertheit
    • Fehlende affektive Hemmung
    • Grössenideen
    • Rededrang
    • Denkbeschleunigung
    • Gestörtes Urteilsvermögen

 

Impressum

Impressum Kokain / Impressum Cocaïne / Impressum Cocaina

2014 Zweite, vollständig überarbeitete Ausgabe / 2014 seconde édition entièrement revue / 2014 seconda edizione interamente rivista

Autoren / Auteurs / Autori 
Anke Berg, Dr. med., Leitende Ärztin, ISW Integrierte Suchthilfe Winterthur
Roger Mäder, Sozialarbeiter FH, Geschäftsleiter FOSUMOS (Schlussredaktion)
Michael Schaub, PD Dr. phil., Schweizer Institut für Sucht- und Gesundheitsforschung ISGF
Johanna Schönwälder, Hausärztin, Flawil

Reviewer / Idem / Idem
Toni Berthel, Dr. med., Ärztlicher Co-Direktor, Integrierte Suchthilfe Winterthur, Präsident Eidg. Kommission für Drogenfragen EKDF
Catherine Ritter, Dr. med., Genf
Lars Stark, Dr. med., Arud, Zürich
Corinne Züblin, Dr. med., Hausärztin, Flawil

 

2006 Erste Ausgabe / 2006 Première édition en alllemand / 2006 Prima edizione in tedesco

Autoren / Auteurs / Autori
Hans Gammeter, Dr. med., Hausarzt, Wattwil (inkl. Schlussredaktion)
Barbara Gantenbein, Sozialarbeiterin FH, Soziale Dienste, Heerbrugg
Herbert Leherr, Dr. med., Psychiatrische Klinik Münsterlingen
Roger Mäder, Sozialarbeiter FH, Soziale Fachstellen Toggenburg, Wattwil

Mitautoren / Co-auteurs / Co-autori
Ulfert Grimm, Dr. med., Inst. Rechtsmedizin, Kantonsspital, St. Gallen

Reviewer / Idem / Idem
Carlo Caflisch, Dr. med., Psych. Universitätsklinik, Zürich
Wilfried Harriner, Dr. med., Hausarzt, Goldach
Christopher Schuetz, lic.phil., Psychologe, IPW, Winterthur
Lars Stark, Dr. med., ARUD, Zürich

Übersetzer / Traducteurs / Traduttori

  • Französisch / français / francese: Paule Chauvin, Paris (Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!), Catherine Ritter (catherineritter.ch)
  • Italienisch / italien / italiano: Agata Vetterli (av-ub.ch)

Harm Reduction

  • Nebst der klassischen schadensmindernden Massnahmen bei intravenösem Kokainkonsum (steriles Spritzenmaterial etc.) bestehen auch eine Reihe an schadensmindernden Massnahmen wie zum Beispiel das vorsichtige Dosieren oder das Einlegen von Konsumpausen von einigen Tagen, die auch bei gerauchtem oder geschnupftem Kokain gelten.
  • Generell soll der gleichzeitige Konsum von Alkohol, wegen der Erhöhung des Infarktrisikos, der langfristigen Nieren- und Leberschädigung durch das Kokaäthylen vermieden werden. Umgekehrt erhöht der gleichzeitige Konsum von Kokain mit Alkohol das Risiko einer Alkoholintoxikation und aggressiven Verhaltens, da die subjektive Trunkenheit gehemmt wird.
  • Weiter soll die Kombination von Kokain und weiteren Substanzen vermieden werden, welche die Dopaminkonzentrationen im synaptischen Spalt zusätzlich erhöhen, sowie das Herzkreislauf-System noch mehr belasten wie z. B. Amphetamine, Methamphetamin, Methylphenidat, Khat, etc.. Zu weiteren Komplikationen aufgrund von Herzkreislaufbelastungen kann es mit den folgenden häufig vorkommenden Substanzen kommen, die deshalb vermieden werden sollten: Betablocker, MAO-Hemmer, Ketamin und nicht zuletzt auch Viagra.
  • Bei nasalem Kokainkonsum soll vor allem auf die regelmässige Pflege der Nasenschleimhaut und der Nasenscheidewand geachtet werden. Dabei eignen sich vor allem Naturöle, aber weniger Schnupfensprays, da die zu zusätzlichem Austrocknen der Schleimhäute führen können. Kokain ist bevorzugt auf einer sauberen, trockenen und glatten Oberfläche zu einem möglichst feinen Pulver zu zerkleinern. Je feiner das Kokainpulver ist, desto geringer ist das Risiko, dass grössere Partikel der Substanz in den Nasenhaaren hängen bleiben oder anhaften und in der Folge die Nasenschleimhaut an diesen Stellen massiv schädigen können.
  • Das Verwenden und Austauschen von Banknoten, scharfkantigen Röhrchen etc. sollte aus Infektionsgründen (Hepatitis C) möglichst vermieden werden. Weitere Regeln des „Safer-Sniffing“ finden sich hier.
  • Beim Rauchen von Kokain sollen die Rauchutensilien regelmässig gereinigt und desinfiziert werden (siehe auch Somatische Probleme). Bronchitiden gilt es wenn möglich durch regelmässige Rauchpausen etc. vorzubeugen bzw. entsprechend zu behandeln.
  • Zu guter Letzt soll zur Prävention von Dehydration regelmässig Flüssigkeit eingenommen werden, jedoch nicht Alkohol.

Kontrollierter Konsum

  • Viele Menschen schaffen es nicht, den Kokainkonsum direkt zu unterbrechen und eine Abstinenz zu erreichen. Häufig wird über längere Zeit erst die Konsummenge pro Ereignis, dann aber auch die Konsumhäufigkeit verringert. Zur Unterstützung der schrittweisen Kontrolle, die bis zur Abstinenz führen kann, sind Konsumtagebücher nützlich. Unterstützung dazu bietet auch die Online-Plattform mit Konsumtagebuch www.snowcontrol.ch.

 

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Schwangerschaft

Kokain bewirkt durch die Gefässverengung Infarkte der Plazenta und dadurch eine Minderversorgung des ungeborenen Kindes.

Daher kann Kokain im gesamten Zeitraum der Schwangerschaft jedes Organ und jedes Gewebe schädigen. Risiken sind:

  • Doppelt so hoch für Frühgeburten
  • Erhöhtes Risiko für Fehlgeburten und intrauterinen Fruchttod
  • Wachstumshemmung (Gewicht, Länge und Kopfumfang)
  • Häufig auch Verhaltensanomalien der Kinder

Es besteht keine Einigkeit darüber, ob Kokain die Gefährdung für Fehlbildungen erhöht. Es findet sich aber in einigen Publikationen eine Häufung von:

  • Harnwegsanomalien
  • Anomalien mit Veränderungen am Gehirn und Darm (vermutete Ursache: Bindung an die Spermien von männlichen Konsumenten)
  • Verkleinerte oder nicht angelegte Gliedmassen
  • Auch eine mögliche Assoziation zwischen pränataler Kokainexposition und Herzfehlern wird vermutet, da die Kardiotoxizität des Kokains evtl. durch die Schwangerschaft gesteigert wird
  • Manche Babys leiden nach der Geburt sogar unter einer Art "Entzugserscheinung":
    • Erhöhte Nervosität und Reizbarkeit, viele fangen schon bei der schwächsten Berührung oder dem kleinsten Geräusch zu weinen an
    • Diese Babys sind nur sehr schwer zu beruhigen, wirken zurückgezogen oder teilnahmslos

Oft dauert dieser Zustand acht bis zehn Wochen nach der Geburt an oder sogar noch länger.
Abstinenz ist das therapeutische Ziel bei schwangeren Frauen. Wenn sie den Kokainkonsum im ersten Drittel der Schwangerschaft beenden, verringern sie das Risiko, eine Frühgeburt zu erleiden oder ein untergewichtiges Baby zu bekommen. Frauen oder Paare, die nicht in der Lage sind, abstinent zu bleiben, sollten möglicherweise den Kinderwunsch aufschieben. Da nicht klar ist, wieviel Kokain während der Schwangerschaft schädlich ist, sollte der Konsum auf jeden Fall bei einer Schwangerschaft komplett eingestellt werden. Kinderwunsch kann auch eine Motivation zur Abstinenz sein.

Bezüglich Schwangerschaft und Konsum von anderen Substanzen siehe Alkohol, Nikotin, Heroin, Cannabis, Designerdrogen.

 

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