Einleitung Geldspielsucht 

Geldspielsucht gehört zu den Verhaltenssüchten.

Definition

Im weiteren Verlauf wird der Begriff Geldspiele synonym für Glückspiele verwendet.

Als Geldspiele werden Spiele bezeichnet:

  • deren Spielergebnis völlig oder weitgehend zufallsbestimmt ist,
  • die einen monetären oder geldwerten Gewinn in Aussicht stellen, und
  • einen mit Gewinnerwartung und Verlustrisiko verbundenen Einsatz erfordern.

Der hohe Spielanreiz von Geldspielen und deren potentiell schädliche Folgen gründen vor allem darauf, dass sie i.d.R. mit monetären Einsätzen und Gewinnerwartungen verbunden sind.

Bestimmte Börsenspekulationen haben ebenfalls suchtspezifischen Geldspiel-Charakter.

Verbreitung legaler Geldspiele

Angeboten werden legale Geldspiele in der Schweiz derzeit:

  • in 21 auf Bundesebene konzessionierte Spielbanken (Casinos)
  • das neue Gesetz öffnet seit 2019 den Markt für legale Angebote von Casinospielen im Internet,
  • kleine Pokerturniere sind ausserhalb von Casinos mit Bewilligung nun möglich,
  • auf Kantonsebene regulierte Lotterieanbieter "Swisslos" und "Loterie Romande",
  • in den Grenzregionen wird auch das umfangreiche Geldspiel - Angebot der Nachbarländer vermehrt genutzt.
  • Weitere legale Lotterie- und Wettangebote von Kleinveranstaltern sind von geringer Bedeutung.  

Detaillierte Beschreibungen der Angebote siehe unter Geldspielprodukte.

Nutzung legaler Geldspiele

Die Nutzung legaler Geldspiele ist weit verbreitet in der Schweiz:

  • Etwa dreiviertel der Schweizer Bevölkerung hat schon einmal an Geldspielen teilgenommen.
  • Das legale Lotterie- und Wettangebot wird hierbei mit Abstand am häufigsten genutzt.

Nutzung illegaler Spiele

  • Die Möglichkeit zur Teilnahme an illegal angebotenen Geldspielen ist in der Schweiz gross. Solche werden z.B. in Hinterzimmern, sog. Clubs, wie auch im Internet angeboten. 

Prävalenzraten

Prävalenzraten problematischen und pathologischen Spielverhaltens in der Schweiz liegen in einer Grössenordnung von:

  • Etwa 2.8% der Gesamtbevölkerung (12-Monats-Prävalenz) deren Nutzung von Geldspielen als risikoreich eingestuft wird.
  • Der Anteil pathologischen Geldspielverhaltens wird auf um die 0,44% der Gesamtbevölkerung geschätzt (12-Monats-Prävalenz). Hochgerechnet sind 14'700 von einem pathologischen Spielverhalten betroffen.
  • Bei jedem exzessiven Geldspielenden sind ca. 10 weitere Personen aus dem näheren Umfeld mitbelastet. Aufgrund dessen ist die tatsächliche Problemlast vergleichbar mit derjenigen von Alkoholerkrankungen oder affektiven Störungen.

Pyramide DE

 

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Fachinformation
 
   
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Konsultation
 
 
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Betroffener sieht Problem

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Ambulante Beratung
Diagnostik
Medikation
Komorbidität
Krisentintervention
Suizidalität

   
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Stationäre Behandlung
Fachzentren/
Suchtfachstellen
 
  Follow up
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Weitere
Begleitung
Rückfallprävention

 
 
   

 

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Konsultation Spieler

Beziehungsaspekte

  • Es ist wahrscheinlich, dass der Patient der eigenen Problematik und einer möglichen Veränderung gegenüber ambivalent eingestellt ist. Es ist wichtig, die Abklärungen mit dem vom Patienten geäusserten Problemen zu beginnen.
  • Patienten, die von einer Geldspielproblematik betroffen sind, können Überzeugungen bzgl. ihrer Gewinnchancen äussern, die den realen Gewinnwahrscheinlichkeiten widersprechen. In diesem Anfangsstadium ist es  kontraproduktiv, seine Überzeugungen infrage zu stellen, siehe Motivierende Gesprächsführung.

Erfassung der bestehenden Problemfelder

  • Suizidalität
  • Ausmass des Geldspiels (Frequenz, Dauer, Spielepisoden und welche Geldspielprodukte)
  • Finanzielle Situation (Schulden)
  • Soziale Folgen (Beziehungen, Arbeitsplatz)
  • psychische oder somatische Belastungen
  • zivil- oder strafrechtliche Folgen
  • Komorbide Störungen (Depressionen, andere Suchterkrankungen)

Erfassung der bestehenden Ressourcen und vorgenommenen Massnahmen

Mögliche Interventionen

Nachfolgende Konsultationen

  • Angebot eines Folgetermins insbesondere dann, wenn der Patient derzeit nicht für eine störungsspezifische Behandlung bereit ist.
  • Bei unveränderter Situation kann in Form einer Kurzintervention (siehe Motivierende Gesprächsführung und Kurzintervention) bei einer nächsten (somatischen) Konsultation das Thema wieder angesprochen werden.
  • Bei finanziellen Problemen empfiehlt sich eine Weiterverweisung an eine Schuldenberatungsstelle.

 

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Konsultation Angehörige

  • Angehörige von Betroffenen sind oft massiv selbst von den Konsequenzen des Geldspielens betroffen.
  • Angehörige äussern die Problematik des Geldspiels oftmals unzureichend. Es wird nur auf den Spieler fokussiert. Ihre eigenen damit verbundenen Belastungen werden wenig oder gar nicht erwähnt.
  • Oftmals ist eine spezifische Angehörigenberatung sinnvoll, insbesondere dann, wenn der Spieler selber keinen Behandlungsbedarf sieht.
  • Angehörige sollen auch erfahren, dass sie eine Spielsperre im Casino für eine Drittperson anregen können.
  • Weitere relevante Hilfsangebote:

 

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Einleitung Behandlung

  • In der Schweiz sind seit den 2000er Jahren nach der Aufhebung des Spielbankenverbotes zahlreiche spezialisierte Beratungs- und Behandlungszentren entstanden. 
  • Adressen und Informationen zu ambulanten und stationären Behandlungseinrichtungen in den verschiedenen Kantonen siehe www.sos-spielsucht.ch.
  • Weitere Infos siehe auch ambulante und stationäre Behandlung.

Allgemeine therapeutische Massnahmen einer störungsspezifischen Behandlung

  • psychiatrische, psychologische Diagnostik,
  • Förderung der Veränderungsmotivation, Entzug von Geldspielverhalten,
  • Vermittlung/Vertiefung der Krankheitseinsicht und eines störungsspezifischen Krankheitsmodells,
  • evidenzbasierte Behandlungsmassnahmen (kognitiv-verhaltenstherapeutische, familientherapeutische und suchtspezifische Interventionen), siehe auch Cochrane Review,
  • Einbezug des sozialen Umfelds (Familie, Arbeitgeber, Schuldner, Freunde, usw.),
    arbeitsintegrative und soziale Massnahmen,
  • Festigung der Abstinenz,
  • Rückfallprävention,
  • Entwicklung und Förderung alternativer Verhaltensweisen zur Gefühlsmodulation.

 

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