Anabolika

Definition

  • Substanzen, die zu einer verstärkten Bildung von Proteinen führen und damit eine Zunahme der Muskelmasse bewirken.

Substanzen

  • Zumeist sog. anabole Steroide (Testosteron, bzw. künstlich hergestellte Steroide mit einer dem Testosteron ähnlichen Wirkung).

Gesetzliche Grundlagen

  • Anabolika gelten als Dopingmittel und sind illegal. Privatpersonen dürfen keine Dopingmittel mit sich führen bzw. sich zusenden lassen.
  • Wer Arzneimittel herstellt, vertreibt oder abgibt, ist seit dem 1. Januar 2019 gesetzlich verpflichtet, Swissmedic jeden Verdacht auf illegalen Arzneimittelhandel zu melden.

Konsumenten / "Szene"

  • In der Regel sind Sportler betroffen, die Bodybuilding betrieben und über lange Zeiträume hohe Dosen von verschiedenen Anabolika appliziert hatten. Es ist anzunehmen das auch in die “Anti-aging Szene” Anabolika haufig gebraucht werden.

Nebenwirkungen

Haut

  • Androgene wirken auf die Talgdrüsen der Haut, wobei deren Entwicklung und Aktivität beeinflusst wird. Sie fördern dabei u.a. auch die Ausbildung von Akne.

Niere

  • Eine verringerte Ausscheidung von Natrium bewirkt eine vermehrte Wassereinlagerung im Gewebe und führt somit zu einer Zunahme des Körpergewichts.

Schädigungen des Herz-Kreislauf-Systems

  • Unter Anabolikaanwendung wird die Konzentration der Fetteiweisse mit hoher Dichte (HDL = high density lipoprotein = "gutes" Cholesterin) im Blutplasma erniedrigt, während die Fetteiweisse mit geringer Dichte (LDL = low density lipoprotein = "schlechtes" Cholesterin) ansteigen. Damit erhöht sich der Quotient aus LDL zu HDL, was als Risikofaktor zur Entstehung von Arteriosklerose bis hin zum Herzinfarkt angesehen wird.
  • In Studien wurde auf mögliche Veränderungen von Faktoren der Blutbildung (Polyglobulie), der Blutgerinnung, des Gefässsystems und Schädigungen der Herzmuskelzelle hingewiesen, die bei Steroid-Benutzern im Vergleich zu Nicht-Benutzern das Risiko einer Thrombosebildung erhöhen können.

Herzhyperthrophie und Kapillarisierung

  • Im Tierversuch an Mäusen fanden sich deutliche Veränderungen am Herzmuskel durch Anabolikaanwendung. Diese führten zu einer Hypertrophie der Herzmuskelzellen, wobei eine verbesserte Kapillarisierung zur notwendigen O2-Versorgung aber ausblieb.

Leberschäden

  • Werden Anabolika über längere Zeit angewendet, können irreversible Leberschäden ausgelöst werden.
  • Die Hepatotoxizität zeigt sich an erhöhten Transamninase, einem akuten cholestatischen Syndrom, Lebertumoren oder einer Leberverfettung. Bei rechtzeitigem Absetzen der anabolen Steroide sind die Schäden reversibel.

Krebsrisiko

  • Männliche Geschlechtshormone wie Testosteron sollen das Auftreten eines Leberzellkarzinoms begünstigen. Insbesondere scheint das Risiko bei der unkontrollierten Einnahme von männlichen Geschlechtshormonen zum Muskelaufbau (Anabolika) deutlich erhöht zu sein.
  • Die Geschlechtshormone Östrogen (nicht dopingrelevant) und Testosteron können das Wachstum von Prostata- und Brustkrebs fördern, wenn deren Gewebe Hormonrezeptoren aufweisen.

Virilisierungen (Vermännlichung) bei Frauen

  • Alle Anabolika verursachen bei Frauen aufgrund der androgenen Wirkungen Virilisierungen, die sich in Veränderungen der Stimme (irreversibel), des Behaarungsmusters, Störungen des Menstruationszyklus und einer Klitorishyperthrophie (irreversibel) bemerkbar machen.

Gynäkomastie beim Mann

  • Eine Anabolikaanwendung über längere Zeit kann zu einer weiblichen Brustbildung beim Mann (Gynäkomastie) führen. Es wird angenommen, dass aromatisierbare Anabolika im Stoffwechsel zu Östrogenen metabolisiert werden, die dies bewirken

Beeinflussung des Längenwachstums bei Jugendlichen

  • Anabolika können bei Jugendlichen das Längenwachstum beeinflussen, indem ein vorzeitiger Verschluss der Epiphysenfugen die Wachstumsphase verkürzt.

Psychotrope Wirkungen

  • Zu den psychotropen Wirkungen der Anabolika gibt es zahlreiche Fallstudien und Selbstberichte, aber nur wenige nach wissenschaftlichem Standard durchgeführte Untersuchungen. Die Ergebnisse der Studien lassen sich folgendermassen zusammenfassen:
    • Psychotrope Effekte treten vor allem bei hohen Dosierungen der Anabolika (oberhalb der therapeutischen Dosen) auf. Während des Anabolikamissbrauchs kann es sowohl zu positiven (Euphorie, erhöhte sexuelle Erregbarkeit, Leistungsbereitschaft), als auch zu negativen Veränderungen (Gereiztheit, Gefühlsschwankungen, Angst, erhöhte Gewaltbereitschaft) der Stimmungslage kommen. Ebenso werden negative Einflüsse auf kognitive Faktoren wie Gedächtnisleistung und Konzentrationsfähigkeit beschrieben.
    • Diverse Autoren berichten von Verhaltensänderungen in Richtung einer Steigerung der Aggressivität, und mehrere Fallstudien bringen schwere Gewaltverbrechen in Verbindung mit Anabolikaanwendung. Eine eindeutigen Korrelation ist aber nicht nachgewiesen, eventuell handelt es sich um vorbestehende Persönlichkeitsveränderungen.
    • In neueren Studien wird auf das mögliche Abhängigkeitspotential von Anabolika hingewiesen, das sich u.a. in depressive Verstimmungen nach Absetzen von Anabolika äussert. In der neuesten Version des amerikanischen Klassifikationssystems (DSM-V) wird die Anabolikaabhängigkeit als eigenes Krankheitsbild definiert.
    • Das Ausmass der psychotropen Effekte hängt ab von:
      • der Höhe der Dosierung
      • der Struktur des Anabolikums
      • der Dauer der Anwendung
      • der Persönlichkeitsstruktur des Gebrauchers (Grundaggressivität, psychische Erkrankungen, gleichzeitiger Alkohol- und Drogenkonsum)
      • den Umgebungsbedingungen (Stresssituation, Gruppendruck, Konsequenzen auf Verhaltensänderungen).

Allgemeine Gefahren durch Schwarzmarktpräparate

  • Anabolika werden illegal bezogen (Schwarzmarkt; Internethandel) und fördern demnach die Beschaffungskriminalität. Bei Injektionspräparaten besteht die Gefahr der Verwendung von nicht sterilen Spritzen (Übertragung von Hepatitis, HIV). Da Schwarzmarktprodukte grösstenteils Fälschungen sind, können falsche Wirkstoffe und auch falsche Dosierungen angewendet werden.

Prävention

  • Besonders bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen sollten Ärzte aufmerksam auf Anzeichen eines Anabolikamissbrauchs achten und die Patienten über die Risiken informieren.
  • Die Aufklärung über anabole Steroide sollte ab einem Alter von 10 Jahren beginnen.
  • Die Anwendung von Programmen, die alternative, gesunde Wege zur Erhöhung der Muskelmasse und zur Leistungssteigerung durch eine gute Ernährung und spezielle Krafttrainingstechniken propagieren, können helfen.

Diagnose mittels Labortest

  • Der Anabolikagebrauch lässt sich normalerweise mit einem Urintest nachweisen. Die Metaboliten der anabolen Steroide können bis zu 6 Monate nach Absetzen der Substanzen nachgewiesen werden (bei manchen Anabolikatypen sogar noch länger).
  • Exogen eingenommenes Testosteron ist ununterscheidbar von endogenem Testosteron. Wenn jedoch hohe Testosteronspiegel vorliegen, wird das Verhältnis zwischen Testosteron und Epitestosteron (ein endogenes Steroid, das chemisch nahezu identisch mit Testosteron ist) gemessen. Normalerweise ist das Verhältnis < 6:1; wenn exogenes Testosteron verwendet wird, ist das Verhältnis höher.

Therapie

  • Die Hauptbehandlung besteht in dem Absetzen der Substanz. Obwohl keine körperliche Abhängigkeit auftritt, kann eine psychische Abhängigkeit bestehen, insbesondere bei Wettkampfbodybuildern. Eine Gynäkomastie kann eine chirurgische Reduktion erfordern.

 

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