Analgetika (Schmerzmittel)

Schmerzen sind eine als unangenehm empfundene Körperwahrnehmung. Menschen mit Schmerzen erwarten Linderung. Eine mögliche Behandlung sind Schmerzmedikamente, deren Anwendung differenziert und in der Regel zeitlich limitiert erfolgen sollte.

Einteilung Schmerz

Ursprung

  • nozizeptiver Schmerz (Reizung von Schmerzrezeptoren in den Organen)
  • neuropathischer Schmerz (Funktionsstörung des peripheren oder zentralen Nervensystems)
  • gemischter Schmerz (nozizeptiv und neuropathisch)
  • psychogener Schmerz (somatoforme Störung), psychologische Faktoren modulieren das Schmerzerleben.

Ursache

  • primärer Schmerz (z.B. Migräne; keine andere behandelbare Krankheit vorhanden)
  • sekundärer Schmerz (z.B. Hirnhautentzündung als Grundkrankheit; Behandlung der Grundkrankheit führt zur Schmerzreduktion).

Dauer

  • akuter Schmerz (bis 6 Monate)
  • chronischer Schmerz (länger als 3 - 6 Monate oder über Jahre wiederkehrend), chronische Schmerzen werden zu einer eigenständigen Erkrankung und sind nicht mehr mit den Mitteln der Akutschmerzbehandlung suffizient therapierbar.

Bei beginnender Schmerzchronifizierung
(zumeist kombiniert mit Langzeitarbeitsunfähigkeit)

  • Arbeitsplatzbeschreibung einholen
  • Beurteilung durch einen Schmerzmediziner (Komorbidität? Umstellung Analgetika und geeignete Komedikation? Ergänzende Behandlungsmethoden (z.B. kognitiv-behavioral basierte Interventionen)? Indikationsstellung tagesklinische oder stationäre Behandlung?)
  • Kontakt mit Taggeldversicherung; Suche nach schmerzadaptiertem Arbeitsplatz
  • Früherfassung IV anmelden

Selbstmedikation mit Analgetika

  • Akute Schmerzen sind Warnzeichen einer möglicherweise gefährlichen Erkrankung
  • Es gibt kein 'ideales' Schmerzmittel für alle Indikationen
  • Nebenwirkungen, Interaktionen, Komorbiditäten müssen berücksichtigt werden
  • Analgetika sollten deshalb ohne Untersuchung / Fachberatung nur für einige Tage eingenommen werden. Bei Fortdauer oder Wiederauftreten der Schmerzen ist eine Untersuchung mit entsprechender Fachberatung dringend angezeigt.

Problematischer Analgetika-Konsum

Abhängigkeit von opioidhaltigen Schmerzmitteln

Medikamenteninduzierter Kopfschmerz (MIK; auch medication overuse headache MOH genannt)

  • Paradoxerweise kann bei regelmässigem Konsum von Schmerzmitteln für Kopfschmerzen ein neuer Schmerz, typischerweise eine Verstärkung des Kopfschmerz entstehen, den der Patient wiederum mit Analgetika zu behandeln versucht; ein Teufelskreis; der Mechanismus ist nicht vollständig geklärt.
  • Um MIK zu vermeiden, sollten Schmerzmittel nicht mehr als zehn Tage pro Monat und maximal drei Tage hintereinander eingenommen werden.
  • Bei den Medikamenten, die zu MIK führen können, handelt es sich um eine sehr heterogene Gruppe.
  • Einige dieser Schmerzmittel sind rezeptfrei erhältlich. Oft enthalten die Medikamente Coffein als Zusatz; es existieren daneben diverse andere Kombinationen von Wirkstoffen; Kombinationspräparate führen deutlich häufiger zu MIK als Einzelsubstanzen.
  • In der Schweiz sind die Kombinationsmöglichkeiten eingeschränkt, da von der Swissmedic für diese alten Medikamente neue Studien verlangt werden, welche die Wirksamkeit der Kombination belegen; viele Kombinationen sind im nahen Ausland aber weiterhin erhältlich.
  • Diese Medikamente werden häufig gegen Kopfschmerzen eingenommen:
    • Acetylsalicylsäure (Alcacyl, Aspirin und andere), Coffein enthalten z.B. Contra schmerz etc.
    • Paracetamol (Dafalgan, Zolben, Acetalgin und andere)
    • Ibuprofen (Irfen, Algifor; niedrigdosiert rezeptfrei).
  • Oft gebrauchte Zusätze:
    • Propyphenazon, meistens nur als Zusatz zur verstärkten Schmerzstillung
    • Ascorbinsäure, wobei unklar ist, wozu der Zusatz von Ascorbinsäure dienen soll
    • Coffein, als zentral stimulierende Substanz; es wird vermutet, dass dieser Stoff das Suchtpotential verstärkt
    • Acetylsalicylsäure und Paracetamol werden oft kombiniert.
  • Rezeptpflichtige Medikamente, die zu MIK führen können:
    • NSAR ("Anti-Rheumatika")
    • Ergotamin
    • Triptane.
  • Diagnostik des MIK
    • Dumpfer, drückender Dauerkopfschmerz:
      • Beginn beim Aufwachen
      • Über den ganzen Tag anhaltend
      • Mindestens 15 Tage/Monat
    • Selten vegetative Symptome
    • Bei körperlicher Belastung nehmen die Beschwerden zu
    • Konsummuster:
      • Schmerzmittelkonsum von mehr als 15 Tagen/Monat
    • Beginn des MIK nach dreimonatigem Schmerzmittelkonsum
    • Besserung der Beschwerden 4 Wochen nach Entzug.
  • Risikogruppen für MIK
    • Patienten mit Migräne/Spannungskopfschmerz, evtl. mit beidem
    • Beginn der Beschwerden im Kindesalter
    • Nach Schädel-Hirn-Trauma/Schleudertrauma
    • Potentiell sind alle Substanzen betroffen:
      • Häufiger bei Kombinationspräparaten
      • Seltener bei Monotherapie mit NSAR
    • Patienten mit hohem Pflichtbewusstsein:
      • Oft prophylaktischer Konsum zur Vermeidung der Leistungsunfähigkeit.
  • Therapie MIK
    • Schwierig; Psychoedukation, enge Begleitung, evtl. stationär
    • Zusammenarbeit mit Schmerzmediziner empfohlen
    • Analgetika müssen abgesetzt werden, evtl. vorübergehend Umstellung auf andere Medikation.