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Toxikologie und Nebenwirkungen

  • Toxizität:
    • Die Toxizität von Cannabis wird als gering eingestuft.
    • Weder in der Schweiz noch im Ausland sind Todesfälle bekannt, welche auf den Monokonsum von hoch dosiertem Cannabis zurück geführt werden konnten.
    • Interpoliert man die tödliche Dosis bei Rhesus-Affen auf den Menschen, dann müssten 100g Cannabis in kurzer Zeit geraucht werden.
    • Nach Anwendung hoch dosierter Cannabispräparate kann es zu psychotischen Reaktionen kommen:
      • Optische und akustische Halluzinationen, Verfolgungswahn
      • Angst und Panikreaktionen, Furcht vor Kontrollverlust und/oder Angst den Verstand zu verlieren.
  • Nebeneffekte:
    • Rötung der Bindehaut
    • Absinken der Körpertemperatur
    • Trockene Schleimhäute
    • Hungergefühl
    • Erhöhung des Blutdrucks und der Herzfrequenz im Liegen und Senkung im Stehen
    • Verändertes Zeitgefühl
  • Therapie der Cannabisintoxikation:
  • In der Regel reicht es, eine ruhige Atmosphäre zu schaffen (talking down). Medikamentöse Interventionen sind in der Regel nicht notwendig; wenn, dann folgen sie den Regeln kurzfristiger symptomatischer Behandlung.
  • Beim Abklingen des Rausches wird die beruhigende Wirkung von Cannabis wieder überwiegen.
  • Beachte:
    • Plasmakonzentration und Rauschzustand haben keine lineare Beziehung, da der Einfluss von exogenen Faktoren für das subjektive Erleben sehr wichtig ist.
    • Das häufig erwähnte amotivationale Syndrom (Lethargie, Passivität, verflachter Affekt, mangelndes Interesse) als Folge des Cannabiskonsums konnte nie als cannabisspezifischbestätigt werden. Starker Cannabiskonsum wirkt sich aber in der Regel negativ auf die Leistungsfähigkeit aus. Hier braucht es zudem Aufmerksamkeit für Überschneidungen der beschriebenen Symptomatik mit dem Symptomkomplex der Negativsymptomatik schizophrener Störungen oder anhedoner Symptomatik depressiver Störungen.
    • Weitere allenfalls dem Cannabis zugeordnete Reaktionen und Verhaltensmuster, können auch andere Ursachen haben wie:
      • Familiäre Situation
      • Soziale Zugehörigkeit
      • Persönlichkeitsstörungen
  • Karzinogene Wirkung von Cannabis:
    • Sowohl im Tabakrauch wie im Rauch von Cannabisprodukten finden sich viele karzinogene Substanzen. Da Cannabisraucher tiefer inhalieren und somit die Schadstoffe tiefer in die Lunge gelangen, werden die Atemwege mit etwa 4 mal mehr Teer belastet. Es ist daher mit einem erhöhten Lungen- und Bronchialkrebsrisiko zurechnen.


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