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Drug Checking

Einleitung

  • Für legale Stoffe wie Tabak und insbesondere Alkohol wird der Wirkstoffgehalt und die genaue Zusammensetzung auf dem Produkt von Gesetzes wegen deklariert. Bei illegalen Substanzen fehlt eine solche Deklaration. Das Thema Substanz-Zusammensetzung ist geprägt von vielen Mythen. Wer hat nicht schon von Rattengift in Kokain gehört? Auch wenn es sich bei diesem Beispiel um einen Mythos handelt, stellen Substanzen immer potentielle Gifte dar. Deshalb ist es für den Safer Use unverzichtbar, nicht nur allfällige Streckmittel, sondern auch den tatsächlich Wirkstoffgehalt zu kennen.

Drug Checking

  • Drug-Checking-Angebote gehören zur Säule Schadensminderung und richten sich an Konsumierende von psychoaktiven Substanzen:
  • Dabei wird unterschieden zwischen mobilen Angeboten (hier werden die Substanzen an einem Festival oder in einem Club direkt vor Ort durch ein mobiles Labor analysiert) oder dem Drug-Checking als Walk-In Service. Dabei handelt es sich um eine regelmässig geöffnete Beratungsstelle, wo Substanzen zur Analyse abgegeben werden können. Diese Walk-In's bieten meist ein ausgebautes, therapeutisches oder medizinisches Beratungsangebot an.
  • Drug Checking bietet Substanzanalytik und eine persönliche Beratung zu Substanzen, die aus dem Grau- oder Schwarzmarkt stammen; der Zugang ist niederschwellig, das Angebot ist kostenlos und anonym nutzbar
  • Cannabisprodukte können nur in Bern oder Zürich zur quantitativen Analyse abgegeben werden; bei den anderen Angeboten können Cannabisprodukte nur auf synthetische Cannabinoide untersucht werden und der THC- und CBD-Wert wird nicht bestimmt
  • Für die Analytik ist ein spezialisiertes Labor zuständig; bei Pulver- und kristallinen Proben werden ca. 30 mg Probemenge benötigt, bei Tabletten und Filzen wird eine ganze Tablette, resp. Filz benötigt
  • Der Wirkstoffgehalt unterliegt je nach Substanz relativ großen Schwankungen. Die Drug-Checking-Resultate der letzten Jahre zeigen jedoch, dass die Zahl der verwendeten Streckmittel relativ stabil bleibt und der Wirkstoffgehalt tendenziell steigt

Schnelltests

  • Zunehmend bekannt sind Test-Kits für den privaten Gebrauch, bspw. Marquis-Tests oder «EZ-Tests». Diese sind kostengünstig (10 Tests kosten ca. CHF/EUR 20.–) und einfach in der Anwendung.
  • Da diese Tests lediglich auf eine limitierte Anzahl Substanzen reagieren, benötigt man mehrere Reagenzien, und es kann sein, dass eine Substanz nicht entdeckt wird. Dadurch lassen sich mit Schnelltests leider nur eingeschränkte Aussagen zur tatsächlichen Substanzzusammensetzung machen. Zudem sind nur mit viel Erfahrung Aussagen zur Reinheit/Dosis eines Produktes möglich. Dabei birgt gerade die unterschiedliche Reinheit oft ein größeres Risiko als die verwendeten Streckmittel.
  • Um Schnelltests besser interpretieren zu können, helfen die im Internet (z.B. auf dancesafe.org) oder die europäischen TripApp https://tripapp.org/de/ verfügbaren Farbtafeln 
  • Aufgrund ihrer Ungenauigkeit bergen Schnelltests das Risiko einer falschen Sicherheit, wenn bspw. ein Streckmittel nicht erkannt wurde
  • In der Schweiz wird grundsätzlich dazu geraten, wenn immer möglich, ein Drug-Checking-Angebot zu nutzen, wo ein präzises Resultat garantiert werden kann

Warnungen

  • Warnungen zu unerwarteten Inhaltstoffen und/oder hoch dosierten Substanzen werden auf szenenrelevanten Websites veröffentlicht und per Mail an einen erweiterten Kreis von Fachpersonen weitergeleitet:
  • Bei den publizierten Warnungen gilt es zu beachten, dass sich selbst gleich aussehende XTC-Tabletten mit demselben Logo in Bezug auf den MDMA-Gehalt oder die enthaltenen psychoaktiven Streckmittel unterscheiden können

 

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